Karin Boine - eine besondere Ausstellung in Harburg.

Künstler zu Gast im Archäologischen Museum

(Harburg) Im letzten Jahr wurde sie schlagartig bekannt in Harburg: die Künstlerin Karin Boine. Ihre Installation im Rahmen des Temporären Kunstpfades in Harburg war über Nacht verschwunden. „Ich will wissen, was die Welt in ihrem Innersten zusammenhält“ sagt Karin Boine.

 

Sie hatte die antiken Grabsteine auf dem Alten Friedhof an der Bremer Straße mit Hussen (Überzüge) verhüllt, auf denen sie Sinnsprüche und Schlagworte geschrieben hatte. Und die Besucher, darunter Prof. Rainer-Maria Weiss, Direktor des Helms-Museums, standen statt mitten in einer Kunstinstallation vor den blanken Grabsteinen.

 

Was war passiert? Dem BOD (Bezirklichen Ordnungsdienst) war eine „Störung der Totenruhe" gemeldet worden und flugs wurde dem Auftrag des BOD genüge getan und dem „Vandalismus" durch entfernen der Hussen Rechnung strikt Einhalt geboten. Zwar tauchten die Hussen größtenteils wieder auf – aber erst einmal herrschte natürlich Entsetzen. Und Harburg war überregional in der Presse.

Diesmal dürfte ähnliches nicht passieren. Denn Weiss, der Boine durch diese Aktion kennengelernt hatte, lud die Künstlerin ein, als Gast im Archäologischen Museum eine Ausstellung zu installieren.

 

Gestern war nun Eröffnung. Zu sehen ist unter anderem die Installation „Die ersten 1.000". Über 1.000, einzeln aus Filz genähte Kreuze sollen die ursprüngliche Idee des Christentums symbolisieren.

 

Denn, so Boine, diese sei schlicht Freiheit und Liebe gewesen, bevor das Christentum von Institutionen wie der Kirche und Krieg vereinnahmt wurden.

Boine bringt in ihrer Ausstellung Archäologie und die Arbeit des Museums mit ihrem künstlerischen Schaffen und der Moderne zusammen. So sind Schnitzereien aus Holzfunden der Grabungen in der Schloßstraße zu sehen, unter anderem ein Game Boy.

Museums-Direktor Prof. Rainer-Maria Weiss lässt sich von Karin Boine den Game Boy aus altem Holz "erklären".
Museums-Direktor Prof. Rainer-Maria Weiss lässt sich von Karin Boine den Game Boy aus altem Holz "erklären".

Auch vor dem Museum war sie schon vor der Eröffnung tätig: In einen alten Zuckerahorn auf der Museumsachse knüpfte sie Nester aus rotem Segeltau. Die Nester im „Baum der Träume" sind für Boine das zu Hause der Träume und sollen sie bewahren und an sie erinnern.

Die Grundlage ihres künstlerischen Schaffens ist die Neugier. „Ich will wissen, was die Welt in ihrem Innersten zusammenhält" beschreibt sie wie Goethes Faust ihren Antrieb. „Es gibt keine Erkenntnis, ohne dass es auch mal weh tut" sagt sie weiter, vielleicht auch in Rückblick auf den Schock ihrer verschwundenen Installation im letzten Jahr. Harburg aber hat es ihr trotz dessen wohl irgendwie angetan, und Harburg weiß Boine mittlerweile auch zu schätzen: Im nächsten Jahr, zum 100-jährigen Bestehen der Abteilung Stadtgrün, wird sie wieder einen Baum in Harburg in einen „Baum der Träume" verwandeln.

 

Die Ausstellung ist noch bis zum 2. März 2014 im Archäologischen Museum, Museumsplatz 2, zu sehen.

 

Aus: www.besser-im-blick.de       

 

Fotos: Kreller | besser im blick - Deine Online-Zeitung