Helms Museum.

Temporärer Kunstpfad

Ordnungsdienst-Mitarbeiter erkennen Kunst nicht - BOD-Mitarbeiter erstatteten Anzeige gegen Grabstein-Kunst. Die war jedoch längst genehmigt und Teil des "Temporären Künstlerpfades".

 

Hamburg. Was für ein Hin und Her. So schnell, wie die Kunst weg war, war sie auch schon wieder da. Es geht um die Grabstein-Installationen im Park "Alter Friedhof". Die Veddeler Künstlerin Karin Boine hatte die "Grabstein-Hussen" für den "Temporären Kunstpfad" gestaltet.

Die Künstlerin Karin Boine von der Veddel hat insgesamt 13 Gabsteine mit gereimten Nachrichten zu dem Thema Tod versehen - Foto: Thomas Sulzyc
Die Künstlerin Karin Boine von der Veddel hat insgesamt 13 Gabsteine mit gereimten Nachrichten zu dem Thema Tod versehen - Foto: Thomas Sulzyc

Es waren ausgerechnet Mitarbeiter des Behördlichen Ordnungsdienstes (BOD), die sich von den teils rauen Kurznachrichten in Versform zu Thema Tod offenbar provoziert fühlten. So sehr, dass sie bei der Polizei eine Strafanzeige wegen "Störung der Friedhofsruhe" erstatteten - und die Leinentücher kurzerhand von den Grabsteinen entfernten. Und so kam es, dass 70 Besucher zur Eröffnung des Temporären Kunstpfades Harburg, darunter Bezirksamtsleiter Thomas Völsch, irritiert ins Leere blickten.

 

Nach einem Anruf der Polizei beim Helms-Museum konnte Museumsdirektor Rainer-Maria Weiss den Irrtum aufklären. Eines ihrer insgesamt 14 bedruckten Leichentücher ist allerdings verschollen. Das Bezirksamt habe ihre Installation mit dem Titel "Gedenken" genehmigt, sagt Karin Boine. Der "Alte Friedhof" sei eben kein Friedhof mehr, sondern ein öffentlicher Park. Die Künstlerin geht davon aus, dass die Anzeige gegen sie eingestellt werde. Die Diskussion um die Kunst an Grabsteinen geht offenbar weiter. Wie gestern zu hören war, störe sich mancher an einer gereimten Kurznachricht, die sich, ohne den Namen zu nennen, auf den Freitod des früheren Fußball-Nationaltorwarts Robert Enke bezieht. Die Künstlerin beteuert, nicht provozieren zu wollen. Karin Boine: "Ich möchte die Menschen mit meiner Arbeit berühren."

Temporärer Kunstpfad Harburg "Ein paar Tage im Sommer", bis Sonntag, 17. Juni. Führungen: Mittwoch, 6. Juni, und Sonnabend, 16. Juni, jeweils 14 Uhr, Treffpunkt vor dem Helms-Museum, Museumsplatz

 

Von www.abendblatt.de